Sa | 23.10.21

Monk’s Casino

Jazzlegenden

Monk’s Casino nennt sich ein Quintett um den deutschen Free-Jazz-Pianisten Alexander von Schlippenbach, das sich Mitte der 1990er Jahre formiert und 2004 an die bemerkenswerte Aufgabe gemacht hat, das Gesamtwerk der Jazzlegende und Bebop-Ikone Thelonious Monk einzuspielen (70 Kompositionen) – nicht in enzyklopädischer Absicht, sondern als Live-Darbietung an drei Abenden. 2005 erschien eine Dreifach-CD, die im Jahr zuvor bei Konzerten im Berliner Jazzclub A-Trane aufgenommen wurde. Bis heute ist das faszinierende Projekt regelmäßig erfolgreich auf Tour: ein aufregendes Stück Jazzgeschichte, das nun live im Alten E-Werk fortgeschrieben wird.

Ausschnitte aus THE COMPLETE WORKS OF MONK mit Alexander von Schlippenbach (Piano), Axel Dörner (Trompete), Rudi Mahall (Bassklarinette), Jan Roder (Bass), Michael Griener (Schlagzeug)

Apéro für Wissensdurstige mit der SWR2 Jazzredakteurin Julia Neupert um 19:00 Uhr (Einlass 18:30 Uhr) an der Empore Bar

Auf die Idee, das Gesamtwerk von Thelonious Monk zu erarbeiten und in eine für Live Aufführungen praktikable Form zu bringen, kam Alexander von Schlippenbach in den Jahren 1996/97. Das Notenmaterial, das zur Verfügung stand, war eher abenteuerlich. Zusammengeklaubte Fotokopien von Manuskripten unterschiedlicher Herkunft — das einschlägige “Thelonious Monk Fake Book” gab es damals noch nicht — die es aber doch ermöglichten schließlich Alles zusammen zu bekommen.
Die erste Aufführung fand in dem, damals noch existierenden “Jazzhaus Treptow” statt, wo das ganze Programm eine Woche lang immer wieder gespielt wurde. Daraus ergab sich eine Unterteilung in drei Sets von je 23 bis 24 Stücken, die für ein Live Konzert von ca. dreieinhalb Stunden reiner Musik geeignet war. Weil die Kompositionen hier das Wichtigste sind, wird bei manchen Stücken ganz auf Improvisationen verzichtet. Vieles ist während der Proben entstanden und hat sich später beim Spielen ergeben. “MONKS CASINO” ist kein enzyklopädisches Vorhaben, sondern eine Bearbeitung des Gesamtwerkes von Thelonious Monk für eine Live Darbietung. In Monks Casino geht es oft schnell und manchmal auch recht turbulent zu.

Der Pianist Alexander von Schlippenbach, einer der führenden Free-Jazz-Bandleader Europas, mischt freie und zeitgenössische klassische Elemente. Schlippenbach gründete 1966 das Globe Unity Orchestra, um das von der Berliner Jazztage in Auftrag gegebene Stück „Globe Unity“ aufzuführen. Schlippenbach begann mit acht Jahren Unterricht zu nehmen und studierte an der Staatlichen Hochschule für Musik in Köln bei den Komponisten Bernd Alois Zimmermann und Rudolf Petzold. Er spielte 1963 mit Gunther Hampel und war von 1964 bis 1967 im Quintett von Manfred Schoof. Schlippenbach begann nach 1967 verschiedene Bands zu leiten, darunter 1970 das Trio mit Evan Parker und Paul Lovens und ein Duo mit Sven-Ake Johansson, das sie 1976 mitbegründeten. In den späten 80ern gründete er das Berlin Contemporary Jazz Orchestra, in dem eine Reihe angesehener europäischer Avantgarde-Jazzmusiker wie Evan Parker, Paul Lovens, Kenny Wheeler, Misha Mengelberg und Aki Takase auftraten. 1999 begann die Aufführung und Radioaufnahme von Thelonius Monks Gesamtwerken.

Die Preise von Schlippenbach hier aufzuführen, dafür reicht der Platz nicht. Einer sei stellvertretend erwähnt: Dezember 2017, Bundesverdienstkreuz am Bande.

Koop.: Kulturreferat Göppingen